AGATA`S SCHNUR

 

Am Ende der achtziger Jahre, gejagt durch jugendliche Faszination, fuhr ich nach Warschau ins Museum für Literatur, zu einer Ausstellung, die Witold Gombrowicz betraf. In dem Saal, der dem Roman „Kosmos“ gewidmet war, befand sich im größten Teil eine in alle Richtungen laufende weiße Schnur.
Dieses Arrangement sollte die Erfolglosigkeit der Proben einer logischen Ordnung in gegenseitigen Beziehungen illustrieren, die die Masse kleiner Ereignisse überfluten, was das Hauptproblem des erwähnten Romans von Gombrowicz bildet.

Ich erinnerte mich gerade daran, als ich die letzten Arbeiten von Agata Norek gesehen habe, in denen sie die eben ausgelegte Schnur benutzt. Klar ist, dass nicht die Schnur das Entscheidende ist, denn diese Schnur ist in einer bestimmten Ordnung entfaltet und bildet zusammen mit anderen Elementen des Objektes ein Netz auf dem Feld, auf dem Agata sucht . . .

Aber - was sucht Agata eigentlich?

Agata fasziniert die Wiederholung der geometrischen Elemente, die sie in der Umgebung wahrnimmt. So kann das ein Detail auf einer Gebäudewand sein, wie auch die Anordnung auf einer Papiertafel für das Spiel „Schiffe versenken“.
Manchmal irritieren sie die geometrischen Konstruktionen des Details so sehr, dass sie auf der Leinwand mit ihnen manipuliert, indem sie die folgenden Kanten des Moduls in allen möglichen Kombinationen abnimmt, so dass sie im Endeffekt eine offene, netzartige Komposition erhält, in der die Ordnung so sehr verwickelt ist, dass sie sinnlos wird. Wenn man dann solch ein Bild anschaut, kann man nur mit Mühe die leitenden Grundsätze wahrnehmen. Übrigens legt Agata nicht im geringsten Wert darauf. Im Gegenteil: - Sie möchte mit Vorbedacht unsere Perzeption erschweren, indem sie ein zusätzliches Informationsmoment in Form einer üppigen Substanz einführt, die die Details des Diagramms verwischen, indem sie Agatas Arbeiten den Charakter einer deutlichen intellektuellen Scharade wegnehmen. Und das ist sehr gut so, denn Dank dieser Begebenheit befindet sich die Idee ihrer Bilder näher am Leben und nicht im Labor. Und wenn wir zum Beispiel erfahren, dass Agatas Vater Seemann war, wird die scheinbar trockene, intellektuelle Arbeit mit dem Titel „Schiffe versenken“ eine zusätzliche geradezu lyrische Bedeutung annehmen.

Agata Norek studiert noch an der Kunstakademie und besitzt ein sehr habsüchtiges Verhältnis zur Welt. Es zieht sie nach verschiedenen Seiten hin und manchmal reicht die Zeit nicht aus, um ein Problem in vollem Maße auszudrücken, denn in dieser Interessensphäre erscheint ein nachfolgendes Problem. Auf dieser Etappe kann es nicht anders zugehen.

Wenn sie wichtige Entschlüsse fassen muss, sollte sie an der ausgewählten Schur ziehen und auf ein glückliches Los treffen.

Andrzej Tobis, Kunstakademie Kattowitz
(aus dem Polnischen übersetzt von A.Morcinietz)